Fallbeschreibung
Die 69-jährige Frau K., Witwe, leidet an einem fortgeschrittenen metastasierten Ovarialkarzinom, also einer Krebserkrankung der Eierstöcke mit Tumorabsiedelungen in die Leber, die Lymphknoten im Bauch und Brustbereich , sowie diffus im Bauch- und Rippenfellbereich.
Die Patientin will nach diversen Operationen und Chemotherapien nicht mehr in die Klinik, sondern wenn möglich zu Hause im Kreis der Familie betreut werden und auch dort versterben.
Frau K. wird palliativ vom Hausarzt und einem Pflegedienst mit viel Engagement betreut, eine der beiden Töchter hat sich beurlauben lassen, wohnt bei der Mutter und kümmert sich rund um die Uhr um sie.
Die Schmerzen sind mit einem morphinhaltigen Pflaster erträglich und auch alle anderen belastenden Symptome ausgelöst durch die Krebserkrankung sind gut im Griff.
Bei Fortschreiten der Erkrankung bildet sich ein ausgeprägter Aszites (Bauchwassersucht), die Schmerzen sind bei Ausbildung eines Darmverschlusses mit den bisherigen Maßnahmen nicht mehr beherrschbar. Die Patientin muss ständig erbrechen.
Das bisherige Versorgungssystem ist an seine Grenzen gelangt.
Die Schwerstkranke lehnt eine Klinikeinweisung ab und bittet den Hausarzt ihr beim Sterben zu helfen. Die Tochter ist endgültig am Ende ihrer Kräfte.
Der Hausarzt schaltet das Ambulante Palliativ Team ein. Ein Palliativmediziner und eine Palliativ-Pflegefachkraft treffen sich noch am selben Tag mit Hausarzt und Pflegedienst am Bett der Patientin. Zusammen wird das weitere Vorgehen beschlossen.
Mit Einverständnis von Frau K. und ihrer Tochter wird der Hospizdienst zur Entlastung eingeschaltet, der Pflegedienst kommt jetzt zweimal täglich.
Die Schmerzen werden mit Morphin und anderen Schmerzmitteln über eine Schmerzpumpe therapiert, die der Patientin erlaubt sich bei Bedarf zusätzliche Dosen an Analgetika zu verabreichen. Nach Legen einer Magenablaufsonde hört das Erbrechen auf.
Mit intravenöse Gabe verschiedener Medikamente und Durchführung spezieller Einläufe durch eine Palliativpflegekraft kann der Darmverschluss gebessert werden und die Darmtätigkeit kommt nochmals in Gang.
Einige Male werden jeweils bis zu 5 Liter Bauchwasser abpunktiert, zweimal auch Flüssigkeit aus dem Rippenfellbereich.
Insgesamt kann der Zustand der Patientin deutlich gebessert werden und Frau K. genießt das Zusammensein und die Möglichkeit des Abschiednehmens von ihren Töchtern und Enkeln. Es wird geweint aber auch viel gelacht.
Der Hausarzt besucht und betreut Frau K. weiterhin und es entwickelt sich ein eng zusammenarbeitendes Versorgungsnetz aus Hausarzt, Pflegedienst, Hospizdienst und Palliativ-Team. Die Töchter sind entlastet und werden spirituell und psychosozial unterstützt.
Vier Wochen nach erster Inanspruchnahme des Ambulanten Palliativ Teams verstirbt die Patientin unter der Symptomatik eines erneuten Darmverschlusses und Leberversagens unter guter Symptomkontrolle, ruhig einschlafend und wie gewünscht in ihrem Zuhause.
Bei einem zwei Wochen später mit den Töchtern stattfindenden sogenannten Trauergespräch, zeigen sich diese gefasst und überzeugt, das Richtige getan zu haben.
Es sei eine sehr wertvolle und intensive Zeit des Abschieds gewesen für sie wie auch für ihre Mutter.